Josef Hobmeier – der Volksfest-Initiator

Nach 48 Volksfesten, bei denen er stets dabei war – als Organisator, Gastgeber oder einfach als gern gesehener Gast –, wird heuer einer fehlen: Josef Hobmeier, der im April dieses Jahres verstorben ist. Der langjährige Vorstand und spätere Ehrenvorstand des TSV Niederviehbach war zweifelsohne jener Kopf, der das Kirchweih-Volksfest in seiner heutigen Form aus der Taufe gehoben und über Jahrzehnte geprägt hat.

Foto (Archiv TSV): 1977 - TSV-Vorstand Josef Hobmeier (rechts) mit Dr. Vogel und Franz Wagner

Foto (Archiv TSV): 1992 – Anstich mit Bürgermeister Josef Daffner (Mitte), dem damalige Vorstand Hermann Rabauer (rechts) und Volksfestorganisator Josef Hobmeier (links)

Vielleicht war es das Volksfest, das 1970 anlässlich des 50-jährigen Gründungsfestes des TSV veranstaltet wurde, das Josef Hobmeier inspirierte. Das Fest kam bei der Bevölkerung so gut an, dass bereits ein Jahr später das zweite Volksfest veranstaltet wurde. Diesmal zeichneten Georg Haslbeck als 1. Vorstand und bereits Josef Hobmeier als 2. Vorstand verantwortlich.

Josef Hobmeier plante schon für 1972 das nächste Fest. Doch daraus wurde zunächst nichts: Wegen „Bierzelt-Schwierigkeiten“ musste das Vorhaben abgesagt werden. In den folgenden drei Jahren fand wieder das traditionelle Sommerfest statt, das allerdings wetterbedingt immer wieder ausfallen musste. So fasste sich Josef Hobmeier, der seit 1972 an der Spitze des Vereins stand, ein Herz und wagte 1975 einen neuen Anlauf. Er installierte wieder ein Volksfest – diesmal zur „Kirchweih“, die in Niederviehbach traditionell am 15. August gefeiert wird.

Die ersten Verhandlungen mit der Brauerei Wasserburger scheiterten an zu hohen Bierpreisforderungen. Schließlich machte die Brauerei Wittmann das Rennen. Und so fand vom 14. bis 17. August 1975 das „1. Kirchweih-Volksfest“ in Niederviehbach statt. Viele Stände, Ponyreiten, Gstanzlsingen und zahlreiche weitere Einlagen sorgten für Unterhaltung. Auch die junge, neu gegründete Niederviehbacher Blaskapelle unter der Leitung von Pfarrer Thomys war von Anfang an mit dabei.

Und natürlich spielte auch das Bier eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Eine Maß kostete 1975 gerade einmal drei Mark. Das geliebte Hopfengetränk floss also nicht nur in Maßen, sondern durchaus in Strömen: An den vier Festtagen wurden insgesamt 92 Hektoliter Bier ausgeschenkt. Damals konnte sich der Festzeltbesucher seiner Bierseeligkeit noch weitgehend ungetrübt hingeben – heutzutage ist zumindest für den Autofahrer etwas mehr Zurückhaltung angesagt.

Das Volksfest 1975 wurde von der Bevölkerung bestens angenommen. Deshalb war der Beschluss schnell gefasst, als Josef Hobmeier bereits bei der nächsten Monatsversammlung das „Volksfest 1976“ auf die Tagesordnung setzte. Das „Kirchweih-Volksfest“ war fortan nicht nur im Terminkalender der TSVler ein wichtiges Datum, sondern entwickelte sich schnell zu einem festen Bestandteil des Niederviehbacher Gemeindelebens.

Bis heute hat es seinen familiären Charme bewahrt. Wenn man sich in Niederviehbach treffen, ratschen, feiern und gemeinsam schöne Stunden verbringen möchte, dann auf dem hiesigen Volksfest.

Jahr für Jahr wurde in Niederviehbach Kirchweih gefeiert. Mal standen Politiker wie seinerzeit Dr. Hans-Jochen Vogel oder später der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann den Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort, mal sorgten die Verantwortlichen mit hochkarätigen Musikgruppen für Furore.

Doch Josef Hobmeier gab sich nie damit zufrieden, dass das Volksfest einfach nur Jahr für Jahr stattfand. Er sorgte dafür, dass es sich weiterentwickelte und immer neue Anziehungspunkte bekam. Seit 1989 bereichert der Flohmarkt des Verschönerungs- und Verkehrsvereins an „Maria Himmelfahrt“ das Volksfest. Jahr für Jahr ist er ein Besuchermagnet, der weit über die Gemeindegrenzen hin bekannt ist.

Seit 1991 gehört auch der Seniorennachmittag der Gemeinde im Zelt zum festen Bestandteil des Kirchweih-Volksfestes. So wuchs rund um das Fest im Laufe der Jahrzehnte ein buntes Programm, das Menschen jeden Alters zusammenbringt.

Heuer feiern wir nun das 49. Kirchweih-Volksfest. Josef Hobmeier selbst organisierte es 26-mal und führte auch die Zählung der Volksfeste ein, die für ihn mit dem Jahr 1975 begann. Sein Einsatz, seine Ideen und vor allem seine tiefe Verbundenheit mit dem TSV Niederviehbach haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Kirchweih-Volksfest zu einer festen Tradition in unserer Gemeinde entwickeln konnte. Diese Aufgabe erfüllte Sepp gemeinsam mit seiner Frau Resi stets mit großer Freude, Herzlichkeit und jener fröhlichen Geselligkeit, die ihn ganz besonders auszeichnete. Er verstand es, Menschen zusammenzubringen. Er hatte ein Gespür dafür, was ein gelungenes Fest ausmacht, und schaffte es, dem Kirchweih-Volksfest seine ganz besondere Atmosphäre zu geben. Es war nie einfach nur ein Fest des TSV, es wurde zu einem Fest für ganz Niederviehbach.

Und damit hat Josef Hobmeier dem TSV ein besonderes Erbe hinterlassen. Denn gerade vor, während und nach dem Volksfest rückt der Turn- und Sportverein Niederviehbach wieder enger zusammen. Auch wenn die einzelnen Sparten während des Jahres mehr oder weniger ihr eigenes „Sportsüppchen“ kochen – beim Volksfest sind alle da und helfen zusammen. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre ein Fest dieser Größenordnung nicht zu stemmen. Es braucht eine motivierte Vorstandschaft, aber vor allem auch die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer, die Jahr für Jahr mit anpacken und zum Gelingen beitragen.

Und so kommt einem zum Schluss die markante Stimme Gustl Bayrhammer in den Sinn. Seinen berühmten Rückblick auf die „gute, alte Zeit“ könnte man heute wohl ein wenig abwandeln: „Ja, es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit anno 1975. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Josef Hobmeier das Zepter geschwungen, ein kunstsinniger Vorstand. Das Bier war noch dunkel, die Menschen war'n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals.“